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Türkei: Antalya - Izmir, Istanbul, August 2011

Reisereportage

6. und 7. Tag: Von Kayaköy nach Marmaris sowie Ausflug nach Knidos
Als Dorfkind in die Großstadt – so könnte man unsere Eindrücke des heutigen Tages zusammenfassen. Die letzten zwei Nächte waren wir in kleinen Dörfern, nun geht es nach Marmaris. Auch wenn die Touristenstadt offiziell nur etwa 35.000 Einwohner hat, soll sie uns sehr groß und anonym vorkommen. Vielleicht liegt es auch daran, dass die Stadt im Sommer auf 200.000 Menschen anschwillt.

Nach dem leckeren Frühstück in der Villa Rhapsody statten wir in Kayaköy noch der alten griechischen Stadt einen Besuch ab, lassen die Felsengräber von Fethiye links liegen und nehmen Kurs auf die Partyhochburg Marmaris, aber nicht ohne uns vorher ein wenig Erholung am Strand von Iztuzu in der Nähe des Ortes Dalyan zu gönnen. Diese 4,5 Kilometer lange Sandbank ist in ihrer Natürlichkeit erhalten, weil Umweltschützer erfolgreich verhinderten, dass hier große Bettenburgen entstehen. Denn Iztuzu ist einer der letzten Nistplätze der Karettschildkröte am Mittelmeer. Gegen eine Gebühr von 7,50 Lira parken wir auch hier direkt am Strand und springen in die Fluten. Naja - Fluten wäre übertreiben. Der feine Sandstrand geht sehr flach ins Mittelmeer und so gleicht das Baden einer halben Wanderung, um tieferes Wasser zu erreichen. Aber das Wasser ist fantastisch, der Sand sehr fein und die Bucht einfach nur klasse. Ok, auch wir haben ein schlechtes Gewissen, dass wir uns dem wenigen Tourismus hier hingeben, ihn damit unterstützen und vielleicht die Schildkröten aus ihrem natürlichen Raum vertreiben. Um nicht weiter zu stören, fahren wir weiter nach Marmaris.

Marmaris
In Marmaris erfahren wir das erste Mal, was Massentourismus bedeutet: Am Stadtstrand liegen die Touristen wie Heringe und gleich dahinter führt die Promenadenstraße entlang. Wir können uns schöne Strände zum Baden vorstellen und wollen die Stadt erkunden. Doch tagsüber gibt es hier nicht viel zu sehen. Die Burg von Marmaris hat bei unserer Ankunft bereits geschlossen – es ist nach 17 Uhr. Der Basar überzeugt uns nicht wirklich – da sind wir besseres aus Istanbul gewohnt. Der Yachthafen ist weitläufig – ok, hier könnte Neid aufkommen. Doch würde nicht ausgerechnet jetzt die AIDA diva den Hafen verlassen, hätten wir die Yachten jetzt wahrscheinlich schon wieder vergessen: Das riesige Kreuzfahrtschiff schiebt sich langsam aus der Bucht heraus, die AIDA lässt ihr Horn dröhnen und die Passagiere winken den am Land Gebliebenen zu. Hier am Ufer stehen hauptsächlich rot gebrannte Engländer, die jetzt bereits nicht mehr wirklich geradeaus laufen können.

Am Abend lassen wir uns natürlich nicht entgehen, über die bekannte Clubmeile zu schreiten. Kurz vor 23 Uhr schallt aus den teils open-air und teils überdachten Diskotheken die Musik mit voller Power, als ob die Trommelfelle platzen müssten. Aber Partygäste sind noch nicht zu sehen, noch sind die Tanzflächen leer, was sich weit nach Mitternacht ändern soll.

Knidos
Dieser Weg wird kein leichter sein – aber umso schöner. Heute erkunden wir die Halbinsel Resadiye von Marmaris aus Richtung Westen. An der Spitze der Halbinsel, etwa 80 Kilometer von der Partyhochburg entfernt, liegen die Ruinen von Knidos. Um 400 v.Chr. war sie eine blühende dorische Hafenstadt. Warum es dieser Stadt damals wirtschaftlich so gut ging, erleben wir am eigenen Leib: Der Wind weht unaufhörlich und aus voller Kraft. Um die Halbinsel umsegeln zu können, mussten die Seefahrer damals auf Windstille oder Wind aus der richtigen Richtung warten und so gingen sie in Knidos vor Anker. Die Stadt verdiente damals an Schiffsreparaturen, Unterkünften und Handel. Die Überreste verteilen sich heute über ein weitläufiges Areal. Auch hier gilt: Nicht unbedingt die Ruinen sind das Sehenswerte sondern vielmehr die reizende Landschaft. Die zwei Häfen Kindos’ liegen idyllisch in kleinen Buchten und die weiten Olivenhaine vermitteln einen mediterranen Charakter der Gegend. Darüber hinaus lohnt sich die Fahrt über die landschaftlich sehr hübsche Halbinsel und die letzten Kilometer vor Knidos werden dann auch noch abenteuerlich. Schotter, Rollsplitt und Asphalt wechseln sich ab, bis kurz vor der Ruinenstadt die Straße einem Feldweg ähnelt. Doch Achtung, dieser Pfad führt an einem Berg entlang, ist etwa zwei Meter breit – keine zwei Autos passen aneinander vorbei - und hat keine Leitplanke.

Einsame Strände
Reisende, die sich über die Insel schlängeln und aus Marmaris fliehen, sollten unbedingt einen Abstecher zu einem der beiden fast menschenleeren Strände machen: Bei Mesudiye, etwa 13 Kilometer westlich der ruhigeren Hafenstadt Datça, gibt es Sandstrände und in der Bucht von Palamutbükü (etwa 24 Kilometer westlich von Datça) lädt ein feiner Kieselstrand zum Baden ein. Auch wir wollen uns hier auf dem Rückweg von Knidos erfrischen und springen in die Fluten bevor wir wieder ostwärts Richtung Marmaris fahren. Unterwegs halten wir noch in Alt-Datça (Eski Datça) und spazieren durch die engen Gassen. Statt wildem Tourismus stoßen Reisende hier eher auf ruhige, künstlerische Stimmung.

Baris Motel
Zurück in Marmaris fallen wir nach so einem anstrengenden Tag vor Erschöpfung in unser Hotelzimmer. Wie bereits den Tag zuvor nächtigen wir in Baris Motel. Ein junger Mann betreibt gemeinsam mit seinem Vater das Motel. Würden die beiden nur halb soviel Zeit in die Zimmer investieren, wie sie ihre Terrasse pflegen, wären die Zimmer top. Doch so sind sie sehr einfach und in der ein oder anderen Ecke auch etwas schmutzig. Handtücher bekommen wir erst auf Nachfragen (türkisch: Havlu var mi?) und das Frühstück lassen wir am nächsten Tag zum Wohle unserer Gesundheit ausfallen. Einen Pluspunkt hat das Motel: Wie der Name verrät, gibt es für unseren Mietwagen einen Parkplatz, was in Marmaris nicht selbstverständlich ist.

Am Abend stärken wir uns wieder bei „Meryem Ana“ (35 Soak 62) mit türkischen Köstlichkeiten. In dem bescheidenen Lokal kochen Mutter und Tante die Speisen, Vater und Söhne servieren sie. An einer Theke suchen sich hier die Hungrigen ihre Speisen aus – keine Angst: Auch ohne Türkische Sprachkenntnisse freuen sich die Gastgeber über Fremde so sehr, dass sie mit wenigen Brocken Englisch und Handzeichen die Bestellung aufnehmen.

Video: Blick über Knidos
Video: Rückfahrt von Knidos nach Marmaris


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